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Freie Software?

Was ist freie Software? Wie paßt diese Idee zu Ihrem Ziel, das Sie mit Ihrem Geschäft verfolgen?

Was bedeutet "freie Software"?

Der Begriff der Freien Software wurde von der Free Software Foundation geprägt. Er beschreibt Software, die unter einer Lizenz zur Verfügung gestellt wird, die dem Benutzer sehr weitreichende Freiheiten gewährt. Die freie Software hat also in erster Linie nichts, wie immer wieder angenommen wird, damit zu tun, dass die Software unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird.

Folgende Freiheiten darf ein Benutzer von freier im Gegensatz zu proprietärer Software für sich in Anspruch nehmen:

  • Die Software darf zu jedem Zweck eingesetzt werden
  • Der Quelltext des Programmes kann eingesehen werden, um seine Funktion zu studieren
  • Die Software darf "um dem Nachbarn zu helfen" von jedem weitergegeben werden.
  • Die Software darf verbessert werden. Die Änderungen dürfen wiederum veröffentlicht werden, damit alle davon profitieren.

Software, die unter einer Lizenz veröffentlicht wird, die alle diese Freiheiten gewährt, ist freie Software im Sinne der FSF.

Mit dieser Philosophie wird freie Software letztendlich zu einer freieren Gesellschaft beitragen.

Um das zu verstehen, hilft es vielleicht, sich Gedanken zu machen, warum Menschen freie Software schreiben und zur Verfügung stellen. Über seine Motivation schreibt Richard Stallman, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Welt der freien Software, in seinem Essay Copyleft: Pragmatic Idealism. Dort ist sinngemäß zu lesen, dass er aus dem Idealismus an freier Software arbeitet, Frieden und Zusammenarbeit zwischen Menschen zu fördern. Das sei mit freier Software möglich, aber nicht mit proprietärer.

Durch Zusammenarbeit kommen Menschen ins Gespräch, lernen sich kennen, lernen die Ziele, Wünsche und Bedürfnisse von bisher Fremden zu verstehen. Über technische Diskussionen hinaus entwickeln sich persönliche Bekanntschaften und Freundschaften.

Freie Software wird gewöhnlich im Internet veröffentlicht. Das Internet kennt keine Grenzen und Distanzen, dadurch ist es in diesem Medium besonders einfach, Kultur-, Bildungs- und Altersunterschiede zu überbrücken. Man kann unter diesen Aspekten wohl nicht bestreiten, dass sich daraus Beiträge zur Verbesserung der Gesellschaft ergeben.

Was bedeuten diese Freiheiten konkret?

Diese Freiheiten für den Anwender haben weltweit eine große Zahl von Software-Entwicklern motiviert, an freier Software zu arbeiten. Durch die große Zahl von Entwicklern, den besonderen Entwicklungsprozess und die Organisation der Aktiven in großen Projekten wie KDE entstehen Programme, deren Qualität zum Teil weit über der von kommerzieller Software liegt. Ähnliches gilt für die Entwicklungsgeschwindigkeit und die Innovationskraft.

Folge: Hohe Qualität freier Software

Dadurch daß oft viele Entwickler mit unterschiedlichen Hintergründen an einem Projekt beteiligt sind, lassen sich in freien Projekten kaum "eigenwillige" Ideen durchdrücken, ohne dass sie stark kritisiert werden. Es entscheiden nicht persönliche Vorlieben, sondern die besten Ergebnisse.

Das Ergebnis davon ist, dass freie Software sehr standardkonform ist, was z.B. Dateiformate, Protokolle und Technologien betrifft. Standards sind von großen Gremien erstellt und durchdacht. Sie sind frei von Interessen Einzelner. Sie sind dokumentiert, erleichtern Systemwechsel und bieten Sicherheit für die Anwender.

Folge: Unabhängigkeit durch Standardkonformität

Freie Software muß dem Benutzer im Quelltext zur Verfügung stehen. Das heißt, jeder kann das Programm selbst übersetzen. Mehr noch: Jeder kann Fehler suchen und finden und Änderungen durchführen. Auch wenn praktisch Fachwissen erforderlich ist, diese Dinge zu tun, es ist möglich und man wird jemanden finden, der es kann, wenn es nötig sein sollte.

Vordergründig hat kommerzielle Software den Vorteil, dass man sich nie um solche Dinge kümmern muss. Solange, wie die Firma existiert und der Anwender bereit ist, den Weg der Firma und ihres Produktes vor allem finanziell mitzugehen: Updates, Kosten für sog. Wartungsverträge und Produktlebenszyklen. Auch wenn man dazu problemlos bereit ist, sollte man sich folgende Problemstellung klarmachen:

  • Vor allem kleinere Softwareanbieter können vom Markt verschwinden. Dann verschwinden die Quellen des Produktes, das unternehmenswichtig für Sie ist. Dann kann man keine Hotline mehr anrufen und findet auch niemanden, der Probleme lösen könnte.
  • Software wird immer weiterentwickelt. Es ist natürlich und gerechtfertigt, dass Softwarehäuser für Versionssprünge, die neue Möglichkeiten mitbringen, Geld verlangen. Sie sind vielleicht mit Ihrem Versionsstand sehr zufrieden und möchten nicht weiter updaten und das Geld sparen. Das ist natürlich möglich, nur wird die Firma sehr bald alte Versionen abkündigen, dh. keine Fehlerbehebungen mehr anbieten, da es ja die Möglichkeit gibt, auf aktuelle Versionen umzustellen.

Probleme dieser Art sind mit freier Software unwahrscheinlich. Entwickler kommen und gehen in Projekten, aber die einzige Möglichkeit, wie ein Projekt sterben kann, ist, dass es niemand mehr verwendet (meist, weil es einen besseren Nachfolger gibt). Das heißt aber auch, dass es eigentlich immer mindestens minimale Weiterentwicklung gibt, zumindest aber kritische Fehlerbehebungen.

Folge: Sicherheit durch Wegfall der Abhängigkeit von einem Hersteller

Einer der größten Vorteile von freier Software liegt in ihrer Sicherheit. Diese besteht auf mehreren Ebenen:

  • Systemintegrität: Das Computersystem ist nicht so leicht durch Fehlverhalten eines Benutzers zu stören. "Ich hab nur da geklickt, und nun geht nix mehr", Unfälle dieser Art sind durch das Benutzerkonzept von freien Betriebssystemen beinahe ausgeschlossen.
  • Internet-Sicherheit: Es gibt z.B. für Linux praktisch keine Viren, Trojaner, Würmer oder ähnliches. Kosten und Aufwand für Schutzsoftware wie Virenscanner entfallen deshalb. Firewalls, die auch unter Linux nötig sind, sind Bestandteil der Linuxdistribution und müssen nicht extra erworben oder installiert werden. Sie sind von Beginn an installiert, ins System integriert und passend eingerichtet.
  • System-Sicherheit: Auch freie Software hat Fehler, die behoben werden müssen, weil sie schlimmstenfalls unerkannt für den Anwender Hackern Zugriff auf Daten geben können. In der Welt der freien Software werden solche Probleme sehr schnell entdeckt. Die Distributionen stellen sehr schnell und koordiniert Reparatur-Pakete zur Verfügung.

Sicherheit durch Besitz des Quelltextes.

Oft wird als größter Vorteil der freien Software genannt, dass diese kostenfrei zu erhalten sei. Das soll hier nicht so in den Vordergrund gestellt werden. Dennoch, wenn das Büro um einen Arbeitsplatz erweitert werden soll, wird man dafür im Normalfall keine neue Lizenz kaufen müssen.

Es kann zwar eine vollständige, ausgereifte und professionelle Linux-Distribution zum Beispiel unter openSUSE-Download kostenfrei heruntergeladen werden, aber für Literatur, Anpassungen und letztlich professionellen Support, der die Verfügbarkeit einer EDV-Anlage im geschäftlichen Umfeld sicherstellt, wird Geld zu bezahlen sein. Das widerspricht im Übrigen nicht den Zielen von freier Software.

Unter dem Strich werden die Kosten für eine EDV-Anlage basierend auf freier Software niedriger und kalkulierbarer sein.

Folge: Kostenersparniss

In der Welt der freien Software gibt es immer eine andere Variante. Man ist nie auf eine Lösung festgelegt. Es gibt die Vielfalt, die entsteht, wenn viele Menschen zusammen kreativ sind.

Das ist Fluch und Segen zugleich. Denn Vielfalt kann auch zur Unüberschaubarkeit führen, in der man keine passende unter den vielen Lösungen findet. Eine gute Distribution bietet jedoch für die Standardanwendungen die gängigsten und ausgereiftesten Lösungen vorkonfiguriert an.

Folge: Vielfalt schafft Auswahl

Wer verwendet freie Software? Viele jetzt schon, und es werden immer mehr. In großen IT-Serverinfrastrukturen, etwa in Handel, Bankwesen, Tourismus oder Versicherungswesen, ist freie Software nicht mehr wegzudenken. Dennoch, freie Software ist im Moment noch nicht der Mainstream. Wer sich darauf einläßt, für sein Unternehmen wichtige Daten "der Alternative" anzuvertrauen, hat einen Entscheidungsprozeß durchlaufen und die Vorteile von freier Software erkannt. Besonders für kleine Firmen, die keine Spezialisten beschäftigen, ist das ein großer Schritt. Jedoch wird damit eine offene, verantwortungsbewußte Haltung, Individualismus und unternehmerischer Mut gezeigt.

Folge: Profilierung des Unternehmen

Menschen arbeiten freiwillig mit Engagement an Software-Themen, die sie interessieren. Anwender und deren Meinung, Mitarbeit und im besten Fall deren Zufriedenheit sind Bestätigung und Motivation für alle Aktiven in Projekten. Deshalb gibt es in den großen Projekten gute Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Anwendern, die meist in einer guten, produktiven Atmosphäre stattfindet. Es macht Spaß, in diesem Umfeld evtl. weltweit zu kommunizieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Die Kommunikation findet ausschliesslich über Mail, Foren oder IRC statt, ist aber oft sehr verbindlich und persönlich.

Freie Software macht mehr Spaß

Alle Probleme gelöst?

Die vorangehenden Abschnitte klingen möglicherweise so, als ob die Welt mit freier Software endlich in Ordnung sei und es keine Probleme mit EDV mehr gibt.

Der Schein trügt natürlich unglücklicherweise.

Auch wenn freie Software verwendet wird, gibt es Schwierigkeiten, wie man sie von EDV kennt. Das gilt vor allem für den Anfang. Linux, das populärste freie Betriebssystem, unterscheidet sich durchaus von den Mitbewerbern der Windowswelt. Moderne Benutzeroberflächen wie KDE haben es jedoch möglich gemacht, dass auch Computer-Neulinge mit Linux arbeiten können. Viele Dinge sind jedoch anders, als man es von Windows gewohnt sein mag.

Linux ist eben nicht Windows und versucht es auch nicht zu sein. Dazu gibt es einen interessanten und lesenswerten Artikel "Linux ist nicht Windows", ebenso einen etwas umfangreicheren "Leitfaden für kleine und mittlere Unternehmen".

Verblüffend ist, wieviel Arbeit in den letzten Jahren von den Linux Distributionen wie zum Beispiel dem openSUSE Projekt geleistet wurde, die Einrichtung und Administration des System zu vereinfachen. Oft gehören Treiberprobleme der Vergangenheit an und schon ein neu installiertes Standard-System bietet bereits ausreichende Funktionalität für den Büroalltag ohne weitere Installationsarbeiten.


Page: De.FreieSoftware - Last Modified : Sa, 29 Sep 12

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